Dienstag, 18. September 2018

„Es gab nur Fußball für uns - nach der Schule wurde "gebolzt" - Interview mit dem ehemaligen Mittelfeldspieler des ASV Bergedorf 85 Reiner „Ernie“ Schmidt


Nach den „Elster-Wunderjahren“ in den 1950igern sind die 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts die mit Abstand erfolgreichsten. „85“ spielte eigentlich immer um den Aufstieg in die Dritte Deutsche Liga mit.

Flankierend zu der Elstern-Chronik von Hans-Martin Lippold führen wir gerne Interviews mit ehemaligen Spielern dieser Zeit.
Klaus Vogel, „Buffi“ Muruszach und Udo Niels gaben unserem Blog schon bereitwillig Auskunft.

Heute freuen wir uns auf das Interview mit Reiner „Ernie“ Schmidt!

85live: Hallo Reiner,  an den Sander Tannen kennt man Dich eigentlich nur als „Ernie“ Schmidt. Sag mal bitte,  wie bist Du zu Deinem  Spitznamen gekommen?
Reiner Schmidt: Den Spitznamen Ernie gab es nicht aus der Sesamstraße,  sondern von einem Ligaspieler Ernie Jordan. Dieser hatte einen "Mecki" Haarschnitt, den ich mir als Knabenspieler zulegte, der mich ein Leben lang begleitet hat.

85live: Du wirst Dich sicherlich nicht nur wegen der Roten Karte, die Du in der letzten Spielminute gesehen hast, an das Aufstiegsspiel gegen den Lüneburger SK erinnern. Was ist von dem Spiel bei Dir noch hängen geblieben?
Reiner Schmidt: Das Spiel der Spiele war natürlich Lüneburg. 10.000 Zuschauer wollten uns aufsteigen sehen. Wir waren auf gutem Wege und gingen durch ein reguläres Tor in Führung aber Herr Osmers aus Bremen hatte etwas dagegen. Nach der Führung durch den LSK nach der Halbzeit lief das Spiel etwas aus dem Ruder und es kam zu drei Platzverweisen. Meier Schmidt und Petersen durften
gehen. Dabei soll Norbert Meier dem Schiri nach Befragung einen anderen Namen genannt haben aber Herr Osmers aus Bremen wusste ja, dass Norbert Meier zu Bremen wechseln würde. Danach gab es Rot. Nach dem Schlusspfiff folgte dann der Regenschirm-Auftritt von Papa Meier. 

85live: Welche weiteren Spiele waren die Highlights im Elsterntrikot ?
Reiner Schmidt: Es gab sehr viele Spiele vor allem die Aufstiegsrunden ich glaube sechsmal war ich dabei. Zwei Meisterschaften und vier  Vizemeisterschaften waren meine Erfolge in acht Jahren Bergedorf. Ein Highlight war ein DFB Pokalspiel in der ersten Runde gegen Fortuna Köln, leider auswärts. Wir fuhren also nach Köln in die damalige Radrennbahn von Fortuna. Es war ein sehr heißer Tag und als wir beim Stadion ankamen, freute sich unser Kassierer. Es standen hunderte von Autos vor dem Stadion. Leider stellte sich aber heraus, dass die Leute nicht im Stadion waren, sondern in dem daneben liegenden Freibad. 
Ich glaube wir fuhren ohne Überschuss nach Hause.

85live: Du hast ja auch mit einem späteren Nationalspieler zusammengespielt – Norbert Meier – hättest Du gedacht, dass er so eine Entwicklung nehmen würde?
Reiner Schmidt: So eine Entwicklung haben wir Ihm nicht zugetraut, sind allerdings der Meinung, dass der Abstieg von Bremen in die zweite Liga Norbert sehr entgegen gekommen ist. Er wurde Stammspieler und Torschützenkönig von Werder. Nach dem Aufstieg dann auch Nationalspieler.

85live: Wenn Du nach nun vielen Jahren Abstand Deine Zeit als Fußballer Revue passieren lässt, war es der Aufwand und die Aufregung wert?
Reiner Schmidt: Natürlich war es das wert. Ich würde alles wieder so machen. 

85live: Beschreibe doch bitte mal Deine Sozialisation als Fußballer? Warum Fußball und nicht Schwimmen, Handball oder Schach?
Reiner Schmidt: Mit dem Fußball in Nettelnburg groß geworden. Es gab nur Fußball für uns - nach der Schule wurde "gebolzt". Natürlich standen auch die Eltern dahinter und haben alles dafür getan. 


85live: Bei Fußballprofies befürchtet man, dass sie nach dem Fußball in ein Loch fallen, wie ging es bei Dir nachdem Du die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hast weiter? Man hat Dir eine große Zukunft im Tanzgeschäft nachgesagt (wenigstens nach den Eindrücken von der Rückfahrt aus Celle mit dem Mannschaftsbus (siehe Zeitungsausschnitt)
Reiner Schmidt: Die Fußballschuhe an den Nagel gehängt habe ich ja endgültig erst vor ein paar Jahren nachdem ich noch in Ochsenwerder Alte Herren , Senioren und Supersenioren sehr erfolgreich gespielt habe. In ein Loch bin ich bis heute nicht gefallen. Fahrradfahren und Joggen halten mich noch fit.

85live: Auf dem Platz warst Du der klassische „8er“: Offensiv, trickreich, torgefährlich und mit genialen Pässen. In welcher heutigen Liga würde der „Ernie“ Schmidt von damals spielen?
Reiner Schmidt: Bei Bergedorf begann ich klassisch auf Rechtsausen mit der Nr. 7. Wendig und Trickreich. Ein Trainer bei Bergedorf, ich glaube Knubbe, hat mich dann ins Mittelfeld beordert, wo ich dann auch später die „10“ tragen durfte. Ich glaube ich war einer der torgefährlichsten Mittelfeldstrategen in der Liga.
Mit dem Talent und Können von damals sicher zumindest in der zweiten Liga mit etwas Glück vielleicht sogar etwas mehr.

85live: Der Kontakt zu den „Elstern“ ist nie ganz abgerissen, oder? Man sieht Dich ab und zu bei den Spielen der 1. Herren an den Sander Tannen. Wie hast Du als Zuschauer und ehemalige „Elstern-Legende“ die letzten Jahrzehnte erlebt? Manchmal blutete das Herz?
v.l.: Schmidt, Schlottmann, Niels, Muruszach
Reiner Schmidt: Ja das ist genauso wie beschrieben. Mir taten die letzten Jahre - und ich glaube nicht nur mir - in der Seele weh. Habe aber immer gehofft, dass es einmal besser werden würde und der Name Bergedorf 85 sorgt, wie früher, für positive Schlagzeilen. Das scheint ja jetzt der Fall zu sein.

85live: Seit letzten Monat bist Du Mitglied im Freundeskreis der Fußballer des ASV Bergedorf 85. Das ist großartig. Wie kommt es dazu?
Reiner Schmidt: So etwas muss  unterstützt werden. Das dachten wir uns. Detlef Schlottmann , Klaus Muruszach, Udo Niels und ich fanden die Idee sehr gut und wurden spontan Mitglied im Freundeskreis. Uns verbindet übrigens eine jahrelange Freundschaft und wir treffen uns mindesten zweimal im Jahr zum Kartenspielen und unregelmäßig bei Spielen von unseren "Elstern".
Das soll aber regelmäßiger werden, doch wie Du sicher weist haben Rentner ja wenig Zeit.

85live: Vielen Dank für das Interview !!!

Foto: Werner Heitmann




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