Sonntag, 26. August 2012

DFB Pokal 1. Hauptrunde : Bergedorf 85 – SV Meppen 1:3 (0:2)

Es sind noch gut 15 Minuten zu spielen. Bergedorf drängt auf das Meppener Tor und hat in den letzten Minuten schon gute Torchancen herausgespielt. Ein Treffer liegt sprichwörtlich in der Luft.
Nun ein Freistoß aus halbrechter Position. Der Ball wird abgewehrt, springt jedoch der eingewechselten Kathrin Miotke vor die Füße, die schnell reagiert und den Ball ins Netz befördert. Tor für die Elstern. Nun wird das Spiel ein richtiger Pokalfight.
Doch die Geschichte dieses Spiels beginnt viel früher:
Sowohl Regionalligist Bergedorf 85, als auch die in der zweiten Bundesliga spielenden Frauen des SV Meppen, bereiten sich intensiv auf die kommende Saison und auch auf dieses Pokalspiel vor. In der letzten Woche verzeichnen beide Teams beachtliche Testspielergebnisse: Die Elstern-Mädels schlagen den Zweitligisten FFC Oldesloe mit sage und schreibe 5:2. Meppen toppt dies noch: Gegen den französischen Vizemeister und letztjährigen Halbfinalisten der Champions-League Paris St. Germain, errang das Team von Trainerin Maria Reisinger ein sensationelles 0:0.
Auch die Tatsache, dass zwei Spielerinnen des „SV Meppen – SV Victoria Gersten“ (so der offizielle Name) zum Kader der deutschen U17 Nationalelf gehören, verdeutlicht, was für ein Kaliber da heute im Langnese Happiness Stadion Sander Tannen erwartet wurde.
Doch der Pokal schreibt bekanntlich - gerade in Bergedorf (man denkt mit Gänsehaut an 1982 zurück, als im Herren DFB-Pokal die großen Bayern gegen 85 bis zur 89 Minute zurücklagen)- seine eigenen Gesetze.
Das Spiel beginnt.
85 startet durchaus couragiert. Die Sturmspitzen Maria Albrecht und Janette Prahs gehen früh auf die ballführenden Meppener Abwehrspielerinnen drauf. In der 5. Minute wird geschickt auf Maria Albrecht durchgesteckt, doch in letzter Sekunde verhindert ein langes Meppener Bein, dass Maria auf und davon ist.
Doch dann bekommen die Gäste die Partie immer besser in den Griff. Zunächst zeigt die Nr. 7 der Blau-weißen, Nangila van Eyck, wie schnell Frau in der 2. Bundesliga sein kann. Erste Chance für den SVM. Keine vier Minuten später ist es dann soweit und es klingelt im Bergedorfer Tor. Was für ein Schuss aus 17 Metern! Bettina Fresee kann ungestört den Ball annehmen, schaut und haut drauf. Wie am Strich schlägt der Ball unhaltbar für die Bergedorfer Torfrau Katrin Schwing ins Netz ein.
Meppen wirkt reifer in der Spielanlage und auch ein Tick schneller. Bergedorf mit zu viel Respekt.
Ganz stark die Nr. 16 der Gäste: Sarah Schulte zeigte auf der rechten Außenbahn eine tolle Ballbehandlung und setzte sich immer wieder durch- kein Wunder, ist die 16 jährige doch eine der U17 Nationalspielerinnen!
Nach gut 25 Minuten setzt 85-Trainer Mato Mitrovic ein Zeichen. Er lässt die kompletten Ersatzspielerinnen warmlaufen.
Dieses nimmt Bergedorfs wohl größtes Talent Anna Hepfer als erstes wahr. Die aus der Jugend des SC Vier- und Marschlande stammende Anna, spielte zuletzt beim großen HSV in der 1. Bundesliga und zeigt den gut 100 zahlenden Bergedorfer Fans Handlungsschnelligkeit und sicheres Abspiel.
Doch so richtig kommen die Elstern nicht ins Spiel. Meppen mit den besseren Möglichkeiten. Man hofft, dass bis zur Pause kein weiteres Tor fällt. In der 38. Minute mal wieder ein Torschuss von 85. Doch ein Freistoß von Kapitänin Carolin Schimmel geht weit über das Tor. Kurze Augenblicke später setzt sich Meppens Hilde Winters links durch und flankt. Der Ball wird länger und länger und senkt sich, zum Entsetzen ganz Bergedorfs, über die 85 Torhüterin ins lange Eck. Das sind die undankbarsten Bälle für einen Torwart und kommen immer wieder vor.
Halbzeit.
Den Fans steht ein reichhaltiges Buffet von selbst gebackenem Kuchen zur Verfügung. Sehr lecker und vielen Dank an die Bäckerinnen. Überhaupt, stimmte der Rahmen: Stadionansage, Kiosk und herrlicher Rasen.
Doch dies schien sicherlich den 85 Trainern in diesem Moment nicht zu interessieren. Meppens Akteurinnen waren längst wieder auf dem Platz, doch von 85 keine Spur. Die Linienrichterin wurde schon zum Nachschauen geschickt. Dauerte die „Gardinenpredigt“ von Mato (Mitrovic) und Marco (Strauer) so lange?
Jedenfalls kam 85 wie verwandelt aus der Kabine!
Beherrschte Meppen durch gutes Aufrücken (4er-Kette stand schon kurz hinter Mittellinie) den Raum, pressten jetzt die Elstern.
Den Reigen der guten Torchancen eröffnete Cindy Pohlmann – leider knapp rechts vorbei. Cindy schoss übrigens schon 2007 Bergedorf zum Hamburger Pokalssieg mit einem ähnlichen Tor, wie das heutige 0:2.
Jetzt war richtig Zunder im Spiel. Vehement reklamieren Spieler und Trainer in der 50. Minute. Sie sahen ein deutliches Handspiel im Strafraum einer Meppenerin. Doch Schiedsrichterin Kim-Jana Trenkner aus Winsen zeigte nicht auf dem Elfmeterpunkt.
Es schien so, als wenn die Unparteiische im Zweifel eher gegen 85 entschied. Doch 85 jetzt noch couragierter. Es wird um jeden Meter gekämpft. Aber auch das Spielerische kommt nicht zu kurz. Ein herrliches Direktspiel von Kathrin Miotke leitet eine weitere Großchance von Maria Albrecht (die kann ohne Wenn und Aber auch eine Klasse höher spielen) ein. Jetzt ein Tor und das Spiel ist wieder total offen.
So kommen wir in die bereits anfangs geschilderte 75. Minute.
Jetzt steht es nur noch 1:2. Die Fans gehen mit und feuern an. Meppen versucht wieder das Spiel in den Griff zu bekommen. Es geht rauf und runter. Torchancen drüben wie hüben. Sollte 85 noch den Ausgleich und in die Verlängerung schaffen? Jedenfalls zeigen die Elstern Mädels eine sehr gute körperliche Verfassung. Die Konditionsarbeit in der harten Vorbereitung scheint schon jetzt Früchte zu tragen.
Doch drei Minuten vor dem Ende beantwortet wieder die schnelle Nr. 7 aus Meppen die Frage. Ein Solo von der Mittellinie an, gekrönt mit einem unhaltbaren Flachschuss, der vom Innenpfosten ins Tor springt. Das war´s. Beinahe mit dem Schlusspfiff noch das 1:4 doch Kathrin Schwing fischt den Ball der Stürmerin vom Fuß. Das wäre auch in der Höhe unverdient.
Das war ein klasse Pokalspiel und Werbung für den Frauenfußball. Dem SV Meppen wünschen wir viel Erfolg im weiteren Pokalwettbewerb und in der 2. Bundesliga!!!
Bergedorf 85 wird mit Sicherheit in der bevorstehenden Regionalligasaison nicht oft auf eine so starke Mannschaft wie den SV Meppen treffen und ein gehöriges Wort in Sachen Aufstieg mitreden.
Bergedorfs Torfrau Jasmin Hadrous sieht mit dem TSV Immenbeck und dem Aufsteiger VFL Wolfsburg II die härtesten Konkurrenten im Aufstiegskampf.
Nachdem der HSV sein Team aus der 1. Bundesliga zurückzog, ist nun Bergedorf 85 die neue Nummer eins im Hamburger Frauenfußball. Das heutige Spiel zeigt, dass 85 dies Rolle annehmen wird. Es lohnt sich an die Sander Tannen zu kommen. Den Fußballfan erwartet guter Frauenfußball!!!
Das erste Heimspiel bestreiten die Elstern-Mädels nächsten Sonntag, den 2.9.12 um 14 Uhr an den Sander Tannen!
85: Schwing- Schimmel (75. Desiree Steinike), Finn Bodil Müller, Denise Steinike, Rohde –Wolf (85. Stutzke) , Odzakovic, Hepfer – Pohlmann, Albrecht, Prahs (50. Miotke)
auf der Bank: Hadrous, Poleska

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